Interview mit Gabriele Horcher | gabriele-horcher.de 4 months ago

Gabriele Horcher, Kommunikations-Wissenschaftlerin, Unternehmerin, Vortragsrednerin, Bestseller-Autorin.

Wer bist Du als Person privat und was machst Du geschäftlich?
Die Übergänge zwischen privat und geschäftlich sind fließend. Kurz gesagt bin ich Jahrgang 68, verheiratet, Hundemensch und bekennende Offenbacherin. An vier von fünf Werktagen konzentriere ich mit auf meine Tätigkeit als Geschäftsführerin meiner Kommunikationsagentur. Es sind mit mir 18 Kollegen und wir sind auf die Business-to-Business-Kommunikation von IT- und Hightech-Unternehmen spezialisiert.
Die anderen Tage in der Woche nutze ich, um meiner zweiten Karriere als Vortragsrednerin voranzubringen. Mein aktueller Impulsvortrag und absolutes Lieblingsthema heisst: „Grenzen überwinden und setzen – Künstliche Intelligenz in Sales und Marketing“. Ich will nicht sagen, dass ich kein Privatleben habe, aber es ist sehr ausgefüllt.

Was ist denn Dein wichtigster Glaubenssatz oder hast Du ein Erfolgszitat?
Mein wichtigster Glaubenssatz ist: „Es kommt darauf an, wie Du es siehst.“ Es kommt darauf an, wie Du es empfindest. Ich bin frei in der Entscheidung, wie ich eine Situation beurteile, ob ich mich ärgern will oder muss, ob ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse oder ob ich sogar etwas Positives daraus ziehe. Dieser Glaubenssatz hat mir schon häufig geholfen.

Was war in Deiner beruflichen Laufbahn der größte Aha-Moment bzw. Dein ganz persönlicher Game-Changer?
Ich kann von zwei persönlichen Game-Changern erzählen. Das eine Ereignis liegt schon weit zurück. Mit 12 Jahren habe ich den heutigen Film-Klassiker „Pyjama für zwei“ mit Doris Day und Rock Hudson gesehen. Dieser Film hat mich fasziniert – und davon überzeugt, dass ich später unbedingt meine eigene Agentur haben möchte. In dem Film war alles drin: Spaß, Intrigen, Drogen, Sex, und am Schluss findet die Frau auch noch den Mann fürs Leben. Mit diesem emotionalen Ziel vor Augen – die harten Fakten über die Arbeit in einer Agentur kannte ich damals ja noch nicht – habe ich all meine schulischen Anstrengungen, Nebentätigkeiten, mein Studium und meine Arbeitsstellen ausgewählt. Im Jahr 2000 habe ich dann mit meinem Lebensgefährten Thomas Möller die Agentur Möller Horcher gegründet – und im Jahr 2002 gab es dann das persönliche Happy End: die Hochzeit.

Der zweite Game-Changer ist noch gar nicht lange her – erst knapp zwei Jahre. Ich lebe seit 18 Jahren meinen Traum mit der eigenen Kommunikationsagentur. Diesen Traum habe ich 20 Jahre lang vorbereitet. Da kommt man dann schon mal auf die Idee, zu fragen, ob das jetzt schon alles gewesen ist. Zugegeben, meine Freunde und Familie haben mich für verrückt gehalten, als ich Ihnen erzählt habe, dass ich jetzt noch einen draufsetzen möchte und mein Hobby als Vortragsrednerin zu meiner zukünftigen Profession machen will. Aber ich sehe das so: Bis ich 90 bin, habe ich noch so viel Zeit, die muss doch sinnvoll genutzt werden. Da bleibt viel Zeit für eine zweite Karriere.

Welche Werte sind Dir selbst wichtig und warum?
Vertrauen ist mir sehr wichtig. Ohne Vertrauen ist keine gute Beziehung oder gute Zusammenarbeit möglich. Ich bin kein Mensch, der kontrolliert oder ständig hinterfragt. Ich vertraue aber auch darauf, dass ich informiert werde, wenn etwas nicht läuft.

Was ist Deine wichtigste Botschaft, die Du in die Welt hinaustragen möchtest?
Wichtig ist zu erkennen, dass Veränderungen allgegenwärtig sind. Sich dagegen zu wehren, hat wenig Sinn. Revolutionäre Veränderungen sind sogar gut, denn nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Wir sind also gut beraten, uns Zeit und Ressourcen freizuhalten, um uns mit dem Wandel zu beschäftigen.

Als ursprüngliche PR-Agentur mussten wir uns entscheiden, ob wir SM mit anbieten wollen. Viele PR-Agenturen, die sich damals dagegen gewehrt haben, gibt es heute nicht mehr.

Beim Thema KI in Sales und Marketing ist sogar noch mehr Eile für die Entscheidung geboten. Um das begreifbar zu machen, nutze ich in meinem Vortrag die Okland-Story. Die wahre Geschichte über ein Baseball-Team in den USA, die kein Geld hatten, um sich Top-Spieler zu leisten. Die sich aus der Not heraus entschieden haben, Spieler nach ganz anderen Gesichtspunkten zu verpflichten – ausgewählt durch einen Algorithmus. Diese Mannschaft, die durch einen Algorithmus ausgesucht wurde, schaffte es als erste Mannschaft überhaupt in der American League 20 Spiele in Folge zu gewinnen.

Leider konnte Oakland seinen Erfolg nicht lange genießen. Denn schon bald übernahmen viele andere Baseball Teams den gleichen algorithmischen Ansatz. Damit war der Vorteil wieder egalisiert.
Im Baseball gibt es kein Zurück mehr. Ein Zurück gibt es auch für Sales und Marketing nicht – nur ein voran!

Nur die Ersten in ihrer Branche, Nische oder Umfeld werden damit große Erfolge haben!

Wir müssen auf veränderte Bedingungen mit verändertem Verhalten reagieren – besser noch agieren.

Wie gehst Du mit Fehlern und den Folgen um?
Hm, abgeleitet von meinem Glaubenssatz „Es kommt darauf an, wie Du es siehst“ gibt es ja gar keine Misserfolge oder Fehler. In meiner jetzt 18jährigen Selbständigkeit – wir feiern gerade die Volljährigkeit unserer Agentur – gibt es täglich neue Herausforderungen. Ich habe gelernt, jede Herausforderung wirklich individuell zu behandeln.

Wie triffst Du Entscheidungen und was hilft Dir dabei?
Ich entscheide sehr schnell aus dem Bauch heraus. Generell hilft es mir, noch einmal eine Nacht drüber zu schlafen.

Gibt es derzeit ein Projekt, für das Du gerade brennst oder dass Du leidenschaftlich gern voranbringen möchtest?
Ja! Seit 2018 nehme ich mir alle zwei Jahre einen Tag pro Woche mehr Zeit für meine Vorträge und gebe damit immer mehr Verantwortung an meine Kollegen in der Agentur ab. Ich brenne dafür, dass sich alle Menschen angstfrei dem Thema Wandel in der Kommunikation Künstliche Intelligenz in Sales und Marketing nähern können. KI verändert ab sofort die Art und Weise, wie wir arbeiten, und KI wird auch die Kommunikation in Zukunft drastisch verändern.

Wie würdest Du die Vorteile des PIM kurz erklären?
Systeme wie zum Beispiel ein PIM –(Produkt-Informations-Managementsystem), die diese nackten Daten schnell und einfach zur Verfügung stellen, kommen dem Informationsbedürfnis von KIs dann deutlich näher als z.B. eine Broschüre oder eine Website. Voraussetzung für eine reibungslose Kommunikation zwischen den Künstlichen Intelligenzen ist hier – noch viel mehr als heute – die schnelle Verfügbarkeit von richtigen, aktuellen und relevanten Daten. Die Grundlage von KI sind also immer Daten. Wer eine Künstliche Intelligenz nur mit schlechten Daten füttert, kann auch nur schlechte Ergebnisse erzielen. Ganz nach dem Motto Garbage in – Garbage out. Zum Glück gibt es hier ebenfalls die Unterstützung von KI, die trotz unterschiedlicher Formate, Strukturen oder Terminologien, bei der Modellierung, dem Cleaning und dem Onboarding von Daten in PIM oder anderen Systemen helfen.

Welchen wichtigen Rat würdest Du unseren Lesern mitgeben wollen?
Letzten Sommer habe ich etwas gemacht, dass für mich bis dahin undenkbar war: Ich bin aus einem Flugzeug gesprungen. Ein Tandem-Fallschirmsprung stand niemals auf meiner Liste der Dinge, die ich unbedingt mal machen wollte. Ganz im Gegenteil. Wenn ich den Sprung geplant hätte, hätte ich tausend Ausreden gefunden, es nicht zu tun.

Warum bin ich trotzdem gesprungen? Ich habe einen Freund zu seinem ersten Tandem-Sprung begleitet, um Fotos von diesem Erlebnis zu machen. Mit meiner großen Kamera durfte ich überall hin: Hinter die Kulissen, in die Schulungen, direkt auf den Landeplatz.

Ich habe die euphorischen leuchtenden Gesichter der Menschen gesehen, die gesprungen sind, und ich habe Vertrauen zu den Guides aufgebaut. Als dann jemand abgesagt hat und ein Sprung frei wurde, habe ich gesagt: Wenn ich nicht zu schwer wäre, würde ich ja auch springen. Es hat sich dann schnell rausgestellt, dass mein Gewicht noch in der Toleranzzone war und mir sogar der Anzug passte. Ohne das Gesicht zu verlieren, wäre ich aus der Nummer also nicht mehr rausgekommen. Also bin ich gesprungen, und es hat riesigen Spaß gemacht.

Will sagen: Aus der Ferne betrachtet ist das Thema Künstliche Intelligenz für den einen oder anderen vielleicht so schlimm wie für mich die Vorstellung vom Fallschirmspringen. Wenn ich mich aber nicht mit dem beschäftige, was mir Angst mach, kann ich diese Angst nie überwinden. Der wichtigste Rat für alle Leser ist also der: Beschäftigen Sie sich mit dem, was Ihnen Angst macht und die Angst verliert an Macht.

 

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